Die Frau mit den rosaroten Lippen

Durch das große Fenster in der Küche fiel warmes Sonnenlicht, während sie die Kartoffeln für das Abendessen pellte. Im Hintergrund lief das Radio. Es spielte schöner Fremder Mann von Connie Francis. Draußen wogten die Kornfelder sacht im Wind und der Kühlschrank gurgelte leise vor sich hin.

     

Im Wohnzimmer hörte sie das Knistern des alten Plattenspielers. Es spielte das Lied, zu dem sie das erste Mal mit ihrem Karlo getanzt hatte. Er war der Sohn des Dorfschreiners gewesen. Ihre Mutter, Geschichtslehrerin am Gymnasium, hatte es gar nicht gut gefunden, als sie herausgefunden hatte, dass sie und Karlo sich heimlich trafen. Er hatte schwarzes, glänzendes Haar und grüne Augen, in die sie sich sofort verliebt hatte. Nach der Schule waren sie immer in den Kornfeldern gelegen und hatten sich Zärtlichkeiten ins Ohr geflüstert. Und auch nachdem sie zu Hause herausgeworfen worden war, als Karlo und sie die Schweine vom Schlachter aus ihrem Zwinger gelassen hatten, war sie glücklicher nie gewesen. Eine Zeit lang hatten sie in einer Scheune am Rande des Dorfes gelebt, bevor Karlo einen Job als Schreiner fand und sie zusammen in die Stadt zogen. An einem heißen Sommertag bat Karlo sie am kleinen Mühlsee ihn zu heiraten.

So schwelgte sie in Gedanken und merkte nicht, wie die Zeit verging. Der Ruf ihres Namens brachte sie in die Küche zurück. Sie ging ins Wohnzimmer und da stand ihr Karlo mit einer Fliege aus braunem Tweed und einem passenden Sacko. Er ging langsam zu ihr und forderte sie zum Tanz auf. „Für meine Frau mit den rosaroten Lippen“, flüsterte er ihr ins Ohr und sie tanzten langsam durch den Abend.

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